Vorsorge in der Schweiz

Das Geld ist da, nur nicht jetzt

Die FIRE-Rechnung kommt aus den USA und geht von einem Topf aus, an den man jederzeit kommt. In der Schweiz liegt ein grosser Teil des Altersvermögens hinter einer Alterssperre, und das ändert die Rechnung.

Die Regel, die hier nicht passt

Die gängige Faustregel lautet: sammle das Fünfundzwanzigfache deiner Jahresausgaben, dann kannst du jährlich vier Prozent davon entnehmen, ohne den Bestand aufzubrauchen. Bei 48 000 Ausgaben im Jahr sind das 1,2 Millionen.

Die Regel unterstellt, dass du an das Geld herankommst. In der Schweiz sitzt ein erheblicher Teil des Altersvermögens in der Säule 3a und in der Pensionskasse, und beides ist bis kurz vor dem ordentlichen Rentenalter gesperrt, ungefähr ab sechzig erreichbar. Was für dich gilt, steht in deinem Vorsorgeausweis und im Reglement deiner Kasse; die Rechnung unten ändert sich dadurch nicht, nur das Jahr.

Zwei naheliegende Antworten

Nimm jemanden mit 42, Jahresausgaben 48 000, also einer FIRE-Zahl von 1,2 Millionen. Auf dem Depot liegen 380 000, in der Säule 3a 95 000, in der Pensionskasse 340 000.

Zwischen beiden liegen 36 Prozentpunkte. Die eine Zahl sagt „noch die Hälfte des Weges", die andere „fast da".

Die Frage, die dahinter steckt

Beide Antworten sind für sich zu einfach, weil die Sperre kein Ja oder Nein ist, sondern ein Datum. Entscheidend ist, wie viele Jahre zwischen deinem Ausstieg und dem Zugriff auf das gebundene Kapital liegen, und ob der freie Teil diese Jahre trägt.

Weiter mit demselben Beispiel. Wer mit 50 aufhören will, muss zehn Jahre überbrücken, bis das gebundene Kapital erreichbar wird. Zehn Jahre zu 48 000 sind 480 000, und auf dem Depot liegen 380 000. Es fehlen 100 000, und zwar unabhängig davon, wie gut die Gesamtzahl aussieht. Wer dagegen mit 58 aufhört, braucht nur zwei Jahre zu überbrücken, und dafür reicht das Depot mit grossem Abstand.

Beide Sichten haben also ihren Zweck. Die freie Sicht beantwortet, ob du bis zur Sperre kommst. Die Gesamtsicht beantwortet, ob es danach reicht. Wer nur eine davon führt, beantwortet die Frage nur zur Hälfte.

Der Haken bei der Sparquote

Ein Punkt, der leicht untergeht: die Einzahlung in die Säule 3a erhöht dein freies Vermögen nicht. Sie ist trotzdem eine gute Idee, denn sie spart Steuern und wächst mit. Für die Frage, ob du mit 50 aussteigen kannst, arbeitet sie aber auf der falschen Seite der Sperre.

Wer eine Sparquote von dreissig Prozent hat und davon einen namhaften Teil in die Säule 3a legt, sieht seine Gesamtzahl schneller wachsen als den Teil, der ihn bis zur Sperre bringt. Beim Blick auf den Fortschritt lohnt es sich darum zu wissen, welcher Anteil der Sparrate wirklich im freien Topf landet.

Die dritte Art: Vermögen, aus dem nie etwas entnommen wird

Das selbst bewohnte Haus gehört in keine der beiden Sichten. Es steht im Vermögen, oft als grösster Posten, und ist trotzdem kein Kapital, von dem man lebt. Darin wohnen oder davon leben, beides geht nicht.

Dieser Denkfehler ist der häufigste, weil er die Zahl am stärksten schönt. Eine Wohnung im Wert von 900 000 hebt ein Vermögen von 815 000 auf 1,7 Millionen und lässt die FIRE-Zahl erreicht erscheinen. Verkaufen kann man sie, dann braucht man aber eine andere, und die Miete dafür steht schon in den Jahresausgaben.

Eine vermietete Liegenschaft ist ein anderer Fall: sie wirft Ertrag ab, und der ersetzt eine Entnahme.

Wie Parendi rechnet

Parendi ist eine Finanz-App für den Mac, und die drei Arten oben sind dort die Struktur. Jede Vermögens-Position ist frei verfügbar, gebunden oder von der Entnahme ausgenommen. Aus den ersten beiden entstehen die zwei Sichten, die nebeneinander stehen, statt dass eine Zahl beide Fragen beantworten soll. Positionen der dritten Art zählen zum Vermögen und in keine der Sichten.

Für den Punkt mit der Sparquote schätzt die App, welcher Anteil deiner Sparrate im freien Topf landet, und leitet das aus dem Verhältnis von freiem zu gebundenem Wachstum ab. Die Zahlen für all das kommen aus deinen importierten Kontoauszügen und den Vermögensständen, die du erfasst. Mehr über die App, oder die Funktionen im Einzelnen.

Das hier beantwortet eine Rechenfrage und ersetzt keine Vorsorge- oder Anlageberatung. Wann du an dein gebundenes Kapital kommst, sagen dir deine Vorsorgeeinrichtung und dein Vorsorgeausweis.